Zoo


Herzlich Willkommen im Kölner Zoo. Werfen Sie einen Blick auf seine Vergangenheit und einen seiner größten tragischen Stars. Er war die Hauptattraktion des Kölner Zoos und der Liebling der Nachkriegs-Generation: der Schimpanse Petermann.

Als Säugling kam er 1947 auf einem Bananendampfer nach Europa. Seine Mutter starb kurz vor dem Ziel und so war es der damalige Zoodirektor Werner Zahn, der den Winzling mit Milch und Müsli großzog.
Im Zoo führte er seine Kunststücke vor: Er fuhr Motorrad, nahm es als Monteur auseinander, saß an der Kasse. 1952 war er in der ersten TV-Sendung zu sehen. Am Silvesterabend desselben Jahres prostete er den Fernsehzuschauern in Frack und Zylinder zu. Fotos seiner Auftritte wie das folgende befinden sich im Historischen Archiv der Stadt Köln.

Die Jecken bogen sich vor Lachen, wenn Petermann in den Uniformen der Karnevalsgesellschaften von einer Sitzung zur nächsten tingelte. Mit einem eigenen Bankkonto war er an der Finanzierung des neuen Affenhauses beteiligt.
Als er mit 10 Jahren geschlechtsreif wurde, endete Petermanns Karriere. Von diesem Alter an gelten Schimpansen als gefährlich und werden aus der Dressur herausgenommen.

Quelle: Historisches Archiv der Stadt Köln, HAStK Best. 1401 (Peter Fischer), Fo 7C, Bd. 7

Bald wurden die hochgradigen Verhaltensstörungen des Tieres deutlich, das niemals die Gelegenheit gehabt hatte, arteigene Verhaltensweisen zu erlernen. Petermann verfiel in tiefe Depressionen und wilde Tobsuchtsanfälle. Abschiebung in „Einzelhaft“ war die Folge. Mit der zugesellten Schimpansendame Susi wusste er nichts anzufangen. Zunächst noch belacht, allmählich vergessen, vegetierte er noch 27 Jahre dahin.

Am 10. Oktober 1985 machte er zum letzten Mal Schlagzeilen. Die Käfigtür war nicht vorschriftsmäßig verschlossen, Petermann und Susi flohen und verletzten Zoodirektor und Primatenforscher Professor Nogge als „ranghohes Wesen im Zoo“ lebensgefährlich. Beide Tiere wurden auf der Flucht erschossen. Auch wenn der Ausbruch und der Angriff rein instinktiv erfolgt waren, so trägt die Aktion des Schimpansen Petermann doch Züge des Aufbegehrens einer unterdrückten Kreatur. Dazu passt die noch lange in der Kölner Anarcho-Szene auftauchende Sprüh-Parole: PETERMANN LEBT!