Zeughaus


Sie stehen vor dem Zeughaus. Errichtet zwischen 1594 und 1606, diente es der Unterbringung der Kölschen Artillerie und weiterer Waffen. Heute zeigt das 1991 auf den Turm gesetzte goldene Flügelauto des Aktionskünstler HA Schult, dass es dort wesentlich weniger militärisch zugeht: Seit 1958 ist das Zeughaus Sitz des Kölnischen Stadtmuseums.

Museal wurde das Zeughaus aber schon teilweise genutzt, als es noch im militärischen Betrieb war. Abgesehen davon, dass man hier veraltete und altehrwürdige Waffen besichtigen konnte, gelangten im Laufe der Zeit alle möglichen Gegenstände und Funde hierher, die man nirgendwo sonst unterbringen konnte, aber auch nicht wegwerfen wollte. So zum Beispiel ein römischer Sarkophag, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts bei Befestigungsarbeiten zwischen Severinstor und Weyertor gefunden worden war. Auf ihn aufmerksam wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Sammler, Politiker und Gelehrte Ferdinand Franz Wallraf, der den Steinklotz sogleich als Teil des Grabes des Römers Severinus Vitealis identifizierte, der in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts begraben worden war.

Die Beschreibung dieses heute im Römisch Germanischen Museums ausgestellten Stücks Kölscher Antike aus der Feder Wallrafs findet sich in seinem Nachlass im Historischen Archiv der Stadt Köln. Man erkennt, dass Wallrafs Begabungen auf anderen Feldern als dem der Zeichenkunst lagen. Während er die lateinische Inschrift noch zutreffend abschreiben konnte, ist seine Zeichnung so misslungen, dass er sie selbst gestrichen hat. Dennoch ist seine Beschreibung ein wichtiges Zeugnis für die Fundgeschichte – und sie zeigt zugleich, dass das Zeughaus eine viel längere museale Tradition hat, als nur das Stadtmuseum zu beherbergen.

Quelle: Historisches Archiv der Stadt Köln HAStK Best. 1105 (Wallraf, Ferdinand Franz), A 53, fol. 1r