St. Severin


Sie stehen vor St. Severin, eine der zwölf romanischen Kirchen Kölns – und zwar mit 72,90 m die zweithöchste. In römischer Zeit lag dieser Teil der Altstadt noch vor den Toren an der Straße nach Bonn, neben der ein Friedhof lag. Seit etwa dem 4. Jahrhundert entstand hier eine Kirche, die in den folgenden Jahrhunderten immer wieder um- und ausgebaut wurde. Ende des 8. Jahrhunderts wurde hier ein Kanonikerstift gegründet, das erst 1802 aufgehoben wurde.

In St. Severin liegen die Gebeine des heiligen Bischofs Severin. Als man 1999 seinen Reliquienschrein öffnete, fand man wertvolle Seidentücher aus der Zeit um 400. Das entspricht in etwa der Lebenszeit des historischen Bischofs Severin. Er war der dritte mit Namen bekannte Kölner Bischof und fungierte später als Schutzpatron Kölns insgesamt und besonders der Weber, einem im Mittelalter wichtigen Gewerbezweig. Ob es aber tatsächlich seine Knochen sind, die in St. Severin liegen, ist mehr eine Frage des Glaubens als eine des wissenschaftlichen Nachweises.

Das gilt auch für eine besondere Fähigkeit, die Severin nachgesagt wird: Er konnte himmlische Gesänge hören. Sonst weiß man allerdings nicht viel über ihn. Wer ihm besonders nah kommen will, sollte jeweils am nächsten Sonntag nach seinem Gedenktag am 23. Oktober das Severinsviertel aufsuchen, denn dann wird der Reliquienschrein in einer Prozession umhergetragen. Diesem Tag entspricht auch die Bauernregel „Wenn’s St. Severin gefällt, / bringt er mit die erste Kält’”, denn ab Ende Oktober ist mit Frost zu rechnen. Er ist aber auch zuständig für Regen und hilft gegen Unglücke und Trockenheit.

Bei so großer Wirksamkeit ist es kein Wunder, dass das Severinsstift im Verlaufe des Mittelalters immer wieder mit frommen Stiftungen und Zuwendungen bedacht wurde. Mit dieser Urkunde schloss sich der Erzbischof Engelbert I. von Berg dieser Sitte an und übertrug 1220 dem Stift Rechte an einem Waldgebiet zu seinem Gedächtnis. Gerade noch rechtzeitig: 1225 wurde er ermordet.

Quelle: Historisches Archiv der Stadt Köln, HAStK Best. 264 (Severin), U 1/19