St. Clemens in Mülheim


Sie stehen vor St. Clemens in Mülheim, der ehemaligen Schifferkirche am rechten Rheinufer. Die im 12. oder 13. Jahrhundert errichtete Kirche diente zunächst als Filialkirche, also Nebenkirche, von St. Mauritius. Nach der Zerstörung der Mutterkirche 1796, erhob sich St. Clemens zur neuen Pfarrkirche. Bis 1864 blieb sie die einzige katholische Kirche des ansonsten protestantischen Mülheims. Nach der Einweihung der neuen Liebfrauenkirche im selben Jahr, stieg St. Clemens erneut zur Nebenkirche ab. Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche 1979-1980 wieder aufgebaut.

St. Clemens bildet traditionell den Anfangs- und Endpunkt der sogenannten Mülheimer Gottestracht. Dabei handelt es sich um eine besondere Fronleichnamsprozession: Sie wird zu Schiff auf dem Rhein durchgeführt. Diese Tradition ist über 400 Jahre alt.

Nicht immer lief das ohne Konflikte ab. Die schöne Tradition des Mayens oder auch Maiens erregte beispielsweise 1802 den Unmut der Obrigkeit. Denn dabei schnitten die Mühlheimer grüne Zweige aus den Waldungen, um in diesem Fall die Prozession zu schmücken. Die Zweige, sogenannte Maien, dienten sowohl bei kirchlichen und weltlichen Festen als Schmuck, sie waren sozusagen die Vorläufer der heutigen Maibäume. Obwohl sich der Name vom Monat Mai ableitet, war das Mayen nicht nur auf diesen Monat beschränkt. Heute könnte man das Abschneiden gesunder Zweige und Triebe als Umweltsünde betrachten, damals ging es um den wirtschaftlichen Schaden, der durch die Beschädigung der Bäume entstand. Die Kurfürstliche Landesregierung in Düsseldorf – damals gehörte Mülheim noch nicht zu Köln, sondern zu Düsseldorf (!) – machte daher die Bewilligung des Mayens davon abhängig, „daß diese Mayen in unschädlichen grünen Reisern bestehen, und solche ohne die geringste Beschädigung in den diesseitigen Waldungen“ geholt wurden.

Köln, St. Clemens Mülheim, kurfürstliches Urkunde

Historisches Archiv der Stadt Köln Best. 303C (Mülheim, Älteres Stadtarchiv: Katholische Kirchensachen), A 3, fol. 253r:
Die Regierung zu Düsseldorf gestattet das Mayen unter Bedingungen, 1802

Diesen Beitrag teilen