Römerturm


Sie stehen vor dem Römerturm, dem nordwestliche Eckturm der alten römischen Stadtmauer der Kolonie „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“. Der Eckturm entstand im 2./3. Jahrhundert nach Christus als einer von insgesamt 19 Türmen und ist einer der wenigen in römischer Zeit entstandenen Stadttürme, die heute noch erhalten sind. Seinen Namen hat er der frühen Entstehung in römischer Zeit zu verdanken. Bis zur Säkularisierung durch die Franzosen 1802 war der Teil des Klarissenklosters St. Klara. Er markierte zugleich die Begrenzung des dort nach Südwesten abknickenden Klostergeländes, weswegen Kölner den Turm auch „Klarenturm“ nannten. Im 14. Jahrhundert war der Turm in dem Gebäudekomplex des Klosters integriert. Der Konvent versah ihn mit einem Latrinenschacht und funktionierte ihn als Toilette um. Der Gestank ließ, trotz eines Dachaufbaus mit Lüftungsschacht, der für die notwendige End- und Belüftung sorgen sollte, natürlich nicht lange auf sich warten. Und so erhielten meist Häuser oder Grundstücke, die in unmittelbarer Nähe des Klosters verkauft oder vererbt wurden, den Zusatz „ Cloaca in fine retro monast. s. Clara“ oder ähnlichen Eintragungen im Schreinsbuch (Vorläufer eines Grundbuches) als zusätzliche Ortsbestimmung versehen.

Auf dem Bild ist ein solcher Schreinsbucheintrag mit dem Hinweis auf die Toilette am Klarissenkloster zu sehen: In einem Schreinsbuch des Schreinsbezirkes S. Christoph ist vermerkt, dass Johanes de Wiis dem Klarissenkloster ein Grundstück „rechts neben der Kloake“ überlässt.

Köln, Römerturm, Schreinsbuch

Quelle: Historisches Archiv der Stadt Köln HAStK, Best. 101 Schreinsbücher A 335 fol. 7v

Der Turm ging 1806 in Privatbesitz über und wechselte dann mehrmals den Besitzer, bevor ihn schließlich die Stadt Köln 1873 für 19.000 Taler aufkaufte. 1833 erhielt der Turm einen den historischen Gegebenheiten nicht entsprechenden Anbau, noch bevor ihn die Stadt erwarb. Auffallend ist die ornamentale Ausschmückung des Turmes, die mithilfe von unterschiedlichen Gesteinsarten wie weißem Kalkstein, rotem Sandstein, grauem Trachyt und dunkler Grauwacke hervorgerufen wird.

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