Overstolzenhaus


Sie stehen vor dem romanischen Overstolzenhaus. Die Familie der Overstolzen („Überstolzen“) gehörte im Mittelalter zu den einflussreichsten Familien Kölns, den Patrizier-Geschlechtern. Sie selbst nahmen an, bei der Gründung Kölns aus Rom eingewandert zu sein. Mit diesem Mythos unterstrichen sie die eigene Bedeutung. Diese wuchs im frühen 13. Jahrhundert durch den Erwerb zahlreicher Immobilien in der Kölner Innenstadt. Die Hauptlinie der Familie starb im 15. Jahrhundert aus.

Das Overstolzenhaus zählt zu den ältesten Gebäuden Kölns und soll das älteste Patrizierhaus in Deutschland sein. Gebaut wurde es etwa 1230 von Blithildis Overstolz. Seitdem diente es als Hauptsitz der Linie der Overstolzen in der Rheingasse.
Ende des 18. Jahrhunderts drohte kurzzeitig der Abriss, jedoch wurden diese Pläne durch den Einmarsch der Franzosen 1794 vereitelt. Im 19. Jahrhundert wurde das Haus nach einer Renovierung von der Industrie- und Handelskammer und der Kölner Börse genutzt. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg erfolgte eine erneute Restaurierung, bei der Reste romanischer Fresken mit Turnierszenen entdeckt und gesichert werden konnten. Heutiger Nutzer sind die Kunsthochschule für Medien Köln und die Deutsche Gesellschaft für Photographie.

Der repräsentative Bau enthielt im Mittelalter nicht nur Wohn- und Verwaltungsräume, sondern auch Speicher und einen aufwändig gestalteten Festsaal. Die Fenster waren damals noch nicht verglast, was im Winter den festlichen Aktivitäten Grenzen gesetzt haben dürfte. Doch auch im Sommer zog es die Overstolzen aus der engen Rheingasse: Sie verfügten -wie man in Zeile 1 und 2 der folgenden Abbildung lesen kann- über ein „somerhuyss dat dae steyt upme houltzmarte up der Steyde muyren“ (ein Sommerhaus auf der Stadtmauer am Holzmarkt), wo sie in luftiger Höhe über der Stadt residierten. Da die Stadtmauer der Verteidigung diente, waren sie aber nicht ganz Herr dieses Hauses und mussten hinnehmen, dass die Stadt dort für Bewachung, Instandhaltung und Verteidigung der Mauer sorgte.

Overstolzenhaus

Quelle: Historisches Archiv der Stadt Köln, HAStK Best. 30V (Verfassung und Verwaltung V), V 26, Blatt 111r