Der Ostermannbrunnen


Sie stehen vor dem Ostermannbrunnen. Kennen Sie noch diese Zeilen?

„Wenn ich su an ming Heimat denke
un sinn d’r Dom su vür mer stonn,
mööch ich tireck op Heim ahn schwenke,
ich mööch zo Fooß noh Kölle jonn,
mööch ich tireck op Heim ahn schwenke,
ich mööch zo Fooß noh Kölle jonn.“

Die berühmten Zeilen des Liedes „Heimweh nach Köln“ schrieb Wilhelm (Willi) Ostermann im Kölner Krankenhaus Lindenburg kurz vor seinem Tod im Juli / August 1936. Sein Freund, der Kölner Karnevalist Thomas Liessem (1900-1973), vollendete noch die letzte Strophe des Liedes und initiierte als Sänger die erste Einspielung dieses Stücks auf Schallplatte. Liessems gespendetes Honorar von 9.000 Reichsmark bildete den Grundstock für den Ostermann-Brunnen.

Um diesem berühmten Kölner Künstler zu gedenken, fand an Weiberfastnacht, dem 16. Februar 1939, die Einweihung des Willi-Ostermann-Brunnens statt. Der Bildhauer Willi Klein gestaltete aus einem 14 Kubikmeter großen, aus Bayern angelieferten Muschelkalkblock 15 Figuren. So hat der Kölner Fotograf Peter Fischer, dessen Nachlass das Historische Archiv der Stadt Köln besitzt, den Ostermann-Brunnen 1939, kurz nach der Fertigstellung, mit der Kamera festgehalten:

Ostermannbrunnen, historisch

Quelle: Historisches Archiv der Stadt Köln HAStK, Best. 7356 (Zeitgeschichtliche Sammlung Bild (ZSB 6)), Fo 6/1703

Willi Ostermann, geboren am 1. Oktober 1876 in Mülheim am Rhein (seit dem 1. April 1914 ist Mühlheim in Köln eingemeindet), wurde 1899 als Komponist und Texter von Liedern in Kölscher Mundart bekannt. Anlass war das Lied über das Deutzer Schützenfest „Et Düxer Schötzefeß“. Ostermann schuf viele berühmte Lieder die teils humoristisch, teils melancholisch und auch patriotisch waren. Die dargestellten Personen auf dem Ostermann-Brunnen sind alle seinen Liedern „entsprungen“. Beispielsweise zu sehen sind „Et Stina muß ’ne Mann han, et weed die höchste Zick! Et Stina muß ’ne Mann han, söns wähde mer’t nit mie quick. Et Stina muß ’ne Mann han, ov alt hä oder jung, denn bliev et Stina setze, wör’t schad för dat Fazzung.“ oder „Jetz hät dat Schmitzen Billa, En Poppelsdorf en Villa. Et hät en eijen Huus, dat Bill es fein erus!“ oder „Kölsche Mädcher künnen bütze, jo dat es en wahre Staat. Su e Bützche vun ´nem Nützche, Jung dat schmeck wie Appeltaat.“ Der Brunnen, wie er nun am Ostermannplatz steht, wurde 1997 neu aufgebaut.

Ostermanns Lieder gelten heute als Klassiker, sie immer wieder gerne gespielt. Sein Grab befindet sich auf dem Kölner Zentralfriedhof Melaten (Lit. R, 263-265, zwischen Lit. B und C). Das Porträtmedaillon, Ostermann im Profil, auf dem Grabstein schuf ebenfalls Bildhauer Willi Klein. In Königswinter erhielt Willi Ostermann am 3. Juli 1949 im Nachtigallental, auf dem Weg zum Drachenfels im Siebengebirge, ein Denkmal. Das Bronzerelief stammt von dem Architekten und Bildhauer Franz Josef Krings (1886-1968), die Fotografie hier zeigt ein Detail: Willi Ostermann im Profil.

Ostermann-Portrait am Ostermannbrunnen

(Foto privat)

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