Kallendresser


Wenn Sie den Kopf heben, sehen Sie auf Haus Nummer 24 am Altermarkt den sogenannten Kallendresser – eine typisch Kölsche Figur, die es schon seit dem Mittelalter gibt. Eine „Kalle“ ist eine Regenrinne, „dressen“ ist – vornehm ausgedrückt – die Verrichtung der Notdurft. Ein Kallendresser ist also jemand, der sein großes Geschäft in der Regenrinne verrichtet. Das war kein Sport der alten Kölner, sondern sollte wohl ein politisches Statement gegenüber der Obrigkeit sein, nicht unähnlich Goethes Götz von Berlichingen.

Verschiedene Sagen ranken sich um einen möglichen historischen Ursprung der Figur. Waren es politikverdrossene Bürger, die den hohen Herren im Rathaus gegenüber ihre Meinung sagen wollten? Handelte es sich um einen derb ausgetragenen Streit zwischen zwei Bewohnern des Hauses, einem sensiblen Schneider und einem Blechbläser? Oder war es einfach nur der Brauch fauler Dachdecker, für die noch keine chemischen Toiletten bereitstanden?

Jedenfalls hatten die Kölner diese Figur so liebgewonnen, dass sie die Zerstörung eines Vorgängers im Zweiten Weltkrieg nicht hinnehmen wollten.

Foto: Elke Wetzig, https://de.wikipedia.org/wiki/Kallendresser#/media/File:Koeln_kallendresser_2005022.jpg

Der Künstler Ewald Mataré schuf eine Nachbildung aus Kupferblech. In der Folge kam es zu Nachahmungen im ganzen Stadtgebiet, und seit 1991 gibt es einen Kallendresser-Orden, in den Menschen mit besonderen Verdiensten um das Kölsche Brauchtum aufgenommen werden. Auf dem Bild oben sehen Sie die Figur von Ewald Mataré in einer Nahaufnahme.

Diesen Beitrag teilen