Heinzelmännchenbrunnen


Der Kölner Verschönerungsverein stiftete 1899 den Brunnen, der an die Sage von den Heinzelmännchen erinnert. Die Kobolde rutschen auf den Erbsen aus, mit denen die Frau des Schneiders ihnen eine Falle gestellt hat und purzeln Hals über Kopf die Treppe herunter. Die Neugierige kann im Schein der Laterne gerade noch einen kurzen Blick erhaschen, ehe die Männlein für immer verschwinden.

Wie war zu Cöln es doch vordem mit Heinzelmännchen so bequem.A. Kopisch

Die Tafeln am Sockel des neogotischen Brunnens erinnern an die gute alte Zeit, in der die Kölner sich auf die faule Haut legten und die Heinzelmännchen die Arbeit der einzelnen Gewerke erledigten. Beim Metzger darf natürlich die Flöns (Blutwurst) nicht fehlen. 1826 verschriftlichte der Kölner Ernst Weyden die Geschichte erstmals in einer Prosa-Version in seinem Buch „Cölns Vorzeit“. Als Quelle gibt er die mündliche Überlieferung an. In der Gedichtfassung des Breslauer Dichters und Malers August Kopisch hat die Geschichte dann große Bekanntheit erlangt.

Wer sich jedoch einen Blick auf die letzten Seiten der Handschrift 94 aus Bestand 7020 des Historischen Archivs der Stadt Köln wirft, entdeckt – mit ein wenig Phantasie – ebenfalls ein Heinzelmännchen. Die Handschrift stammt aus dem 18. Jahrhundert und gehörte der Bibliothek der Conventschwestern zum Pütz, bevor sie, wohl nach der Auflösung des Konvents in der Säkularisation, ins Stadtarchiv gelangte.

Der Band umfasst eine Sprachlehre und verschiedene weitere Texte, wurde jedoch auch als Notizbuch genutzt. Auf Seite 89v auch Federproben eines Schreibers. Inmitten der wüsten Kritzeleien tummelt sich auch ein Heinzelmännchen. Zeigt es etwa den Kölnern den Stinkefinger?

…womit ja das Ende der Geschichte auf den Punkt gebracht wäre.

Heinzelmännchen, Kölner Handschrift 18. Jh

Best. 7020, Hs. 94

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