Groß St. Martin


Sie stehen vor Groß St. Martin, einer der 12 großen romanischen Kirchen Kölns. Die dreischiffige Basilika steht in der Altstadt Kölns und ist mit ihrem kleeblattförmigen Ostchor und dem quadratischen Vierungsturm aus dem linksrheinischen Stadtpanorama nicht mehr weg zu denken.

Die Basilika wurde im 12. Jahrhundert auf den Fundamenten der alten römischen Stadt neu errichtet, nachdem ein Brand 1150 die Rheinvorstadt mit ihren Gebäuden komplett vernichtet hatte. In unmittelbarer Nähe der Kirche siedelten sich schon weit vor dem Neubau im 12. Jahrhundert Benediktinermönche an, sodass der Basilika eine gleichnamige Benediktinerabtei angegliedert war. In einer vormodernen Abtei wurde jedoch nicht nur gebetet, sondern sie war auch ein mehr oder weniger großes Wirtschaftsunternehmen mit teilweise weit verzweigtem Besitz in und außerhalb Kölns, den sie im Laufe der Zeit, meist durch umfangreiche Schenkungen, zugesprochen bekam. Diese Schenkungen wurden meist in Form einer Urkunde verschriftlicht und dem Kloster übergeben. Um den Überblick über ihre Besitzungen und die damit verbundenen Rechte zu behalten, fertigten die Mönche mit der Zeit Protokollbücher an.

Auf dem folgenden Bild ist ein solches Protokollbuch für die Jahre 1695 bis 1791 zu sehen. In dem Buch ist v.a. Grund- und Häuserbesitz der Abtei in der Stadt Köln protokolliert. Häuser wurden damals oft in Form von Erbpacht weitergegeben, d.h. sie wurden nicht im heutigen Sinne vermietet, sondern die Bewohner konnten ihr Wohnrecht dort vererben, solange sie den jährlichen Pachtzins an die Abtei zahlten. Dieses Verzeichnis ermöglicht heutzutage wichtige Einblicke in die Geschichte der Abtei und vermittelt einen Eindruck vom Leben der Leute, die damals in Köln ansässig waren. 1802 wurde die Benediktinerabtei wie alle Klöster und Stifte im Rheinland endgültig aufgelöst und der Besitz eingezogen.

Quelle: Historisches Archiv der Stadt Köln, HAStK Best. 218 A 25