Deutzer Brücke


Am linken Rheinufer auf der Höhe des Heumarktes richte ich den Blick nach Südosten und sehe die Deutzer Brücke. Das im Vergleich zur Hohenzollernbrücke modern wirkende Bauwerk verbindet die linksrheinische Kölner Innenstadt mit dem rechtsrheinischen Stadtteil Deutz.
Der Standort der Deutzer Brücke hatte als Rheinübergang Tradition: Bereits die Römer errichteten hier im vierten nachchristlichen Jahrhundert eine Holzbrücke, die aufgrund des Materials bald nahezu vollständig verfiel.

Zwischen 1913 und 1915 errichtete man eine versteifte Kettenhängebrücke, die allerdings am 28. Februar 1945 bei Reparaturarbeiten zusammenbrach. Ein Kettenglied dieser „Deutzer Hängebrücke“ ist heute noch an der Brückenabfahrt auf der linken Rheinseite aufgestellt.

Das ausgewählte Archivale (Best. 7354 (Zeitgeschichtliche Sammlung Bild (ZSB 4)), Fo 4/3473) – eine Schwarzweiß-Fotografie vom 9. Mai 1945 – zeigt im linken Bildbereich die Reste der zusammengestürzten Hängebrücke. Neben der Brückenruine haben amerikanische Pioniere der 1057. Brückenbau-Gruppe knapp zwei Monate nach dem Einsturz – am 21. April 1945 – begonnen, eine Pfahljochbrücke zu errichten, von der auf der Aufnahme einzig die hellen, im Wasser stehenden Pfosten zu sehen sind. Am 24. Mai 1945 war die „McNair-Bridge“ fertiggestellt, die von den Kölnern aufgrund der zahlreichen Pfähle auch „Tausendfüßler“ genannt wurde. Bis September 1946 diente die Behelfskonstruktion als Rheinübergang zwischen Heumarkt und Deutzer Freiheit, dann wurde sie abgerissen.

1947 war schließlich der Baubeginn für die weltweit erste Stahl-Hohlkastenbrücke – die Deutzer Brücke. Die schlichte, flach gehaltene Konstruktion beeindruckt weniger als eine Hänge- oder Bogenbrücke, doch war dies gewollt, um nicht den Blick auf den Kölner Dom und das Altstadtpanorama zu verstellen. Am 20. August 1948 wurde die Brücke eingeweiht.

Zwischen 1976 und 1980 setzte man eine zweite Brücke als Spannbetonkonstruktion neben die bestehende, die – obgleich des abweichenden Materials – optisch der alten Brücke weitgehend angepasst wurde. In dieser Ausgestaltung prägt die Deutzer Brücke bis heute das Kölner Stadtbild. Die über 430 Meter lange und ca. 30 Meter breite Konstruktion wird von Straßenbahnen, Autos sowie von Fußgängern und Radfahrern genutzt, um trocken und wohlbehalten über den Rhein zu kommen.

Der neu errichtete Betonteil der Brücke besteht übrigens aus einem gewaltigen Hohlkörper, der seit etwa 20 Jahren für die Aufführung von Klangkunstwerken verwendet wird.

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